Durchgängigkeit bei ERP Software bleibt Trumpf

Charakteristisches Merkmal für ERP Software für Industrieunternehmen ist die Unterstützung der Produktionsplanung und -steuerung. Darüber hinaus erstreckt sich der Einsatzbereich der ERP Software vom Finanzwesen über die (kaufmännische und technische) Auftragsabwicklung bis hin in die Lager- und Materialwirtschaft. In den letzten 20 Jahren haben sich dabei weitgehend sogenannte „integrierte“ ERP Software Lösungen durchgesetzt, die versuchen, alle wesentlichen Unternehmensbereiche durch eine Software zu unterstützen. Die höhere Durchgängigkeit durch einheitliche und redundanzfreie Datenhaltung sowie die Reduktion der Komplexität durch das Wegfallen von Schnittstellen, aber auch die Begrenzung der Zahl der Vertrags- und Dienstleistungspartner waren für den Erfolg der integrierten ERP Software mit ausschlaggebend.

Heute nutzt der überwiegende Teil der produzierenden Unternehmen (70%-90%) die zentrale ERP Software Lösung für die Unterstützung der Auftragsabwicklung, die Materialwirtschaft und die Produktionsplanung. Auch die Unternehmensbereiche Finanzbuchhaltung (59%) und Controlling (55%) werden größtenteils integriert abgebildet. Wird die Fertigungssteuerung softwareseitig unterstützt, dann geschieht dies nicht selten auch durch eine integrierte ERP Software Lösung. Die insgesamt sehr hohe Verbreitung des Einsatzes von ERP Software bedeutet darüber hinaus, dass der Markt in diesem Bereich sehr reif, wenn nicht gar gesättigt ist. Die Anzahl echter Erstanschaffungen von ERP Software wird vernachlässigbar werden. Berücksichtigt man, dass das Installationsalter der ERP Software Lösungen weiter steigt und die durchschnittliche Lebensdauer der Installationen inzwischen bei ca. 15 Jahren liegt, ist damit zu rechnen, dass Anbieter von ERP/PPS-Systemen weiter versuchen werden angrenzende Softwarebereiche zu integrieren, um im enger werdenden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Schließlich sind es aktuellen Umfragen zufolge in erster Linie die Bereiche Dokumentenmanagement (DMS) und Customer Relationship Management (CRM), in die Unternehmen  in naher Zukunft investieren werden.

Zunächst ist diese Entwicklung aus Sicht der Anwender zu begrüßen. Können sie doch damit rechnen, dass ERP Software weitere Aufgabenstellungen im Unternehmen unterstützen kann, ohne dass Schnittstellenvielfalt und Datenkonsistenz völlig aus dem Ruder laufen. Gleichzeitig ist aber damit zu rechnen, dass die mit zunehmender Integration steigende Komplexität und funktionale Mächtigkeit der entstehenden ERP Software Lösungen ihre Auswirkungen auf die Flexibilität und Anpassbarkeit der Lösungen, die Aufwände und nicht zuletzt die Kosten für Implementierung und Betrieb einer Installation haben werden. Ein weiterer Faktor, der gegen eine „Integration ohne Grenzen“ spricht, ist, dass Hersteller die wirtschaftliche Beherrschbarkeit des eigenen Produktes sicherstellen müssen. Sie müssen über die erforderlichen Ressourcen und Kompetenzen verfügen, um die funktionale und technologische Weiterentwicklung der ERP Systeme leisten zu können und gleichzeitig den bestehenden Kundenstamm betreuen. Begrenzte Ressourcen und wirtschaftliche Überlegungen werden also sowohl auf Anwender- als auch auf Anbieterseite eine beliebig weitreichende Integration von weiteren Funktionen verhindern.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 4.5/5 (2 votes cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)
Durchgängigkeit bei ERP Software bleibt Trumpf, 4.5 out of 5 based on 2 ratings
Dieser Beitrag wurde unter Software, Unternemen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.